»Vielleicht ist es gerade das schöne Buch, das die beste Überlebenschance hat.«

Martin Mosebach

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dunkelblauer, rotgesprenkelter Einband, rotes Rückenschild: Schon der erste Band, erschienen am 18. Januar 1985, war ein Ereignis. An jenem Tag wurde Die Andere Bibliothek geboren, eine Erfindung des Dichters Hans Magnus Enzensberger, die seitdem Monat für Monat mit einem besonderen, ästhetisch anspruchsvollen Buch aufwartet, hergestellt nach den alten Regeln der Schwarzen Kunst: Bleisatz, festes Papier, Fadenheftung, schöner Einband. Die exquisite Ausstattung war von Anfang an Programm und ist es, zur Freude der Buchliebhaber, auch geblieben. Man erkennt die Bände, wenn sie nebeneinander im Regal stehen, schon von weitem. Sie sind Blickfang, ein Wunder aus Farben und Linien, sorgfältig ausgewählte Literatur in besonders feinem, unverwechselbarem Gewand.
Angefangen hat alles mit den von Christoph Martin Wieland übersetzten Lügengeschichten und Dialogen des Lukian, die gleich großen Zuspruch fanden und 20.000 Mal verkauft wurden. Es ging weiter mit Seume, Varnhagen von Ense, Babel, Flaubert, Zola und griechischen Märchen, irgendwann kamen André Gide, Iwan Bunin, Grimmelshausen und Hans Christoph Buch dazu, nicht zu vergessen die großen Prachtausgaben, ganz zuletzt Proust, die wunderbare Ricarda Huch mit ihrem fast vergessenen Romanik-Buch und ein Erfolgstitel der Bibliothek: Montaignes »Tagebuch einer Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland«. das wir in dieser Ausgabe näher vorstellen.

 

 

Es ist das 100. Heft, das Sie in der Hand halten, und weil »Lesart« sich in den zurückliegenden 25 Jahren mit Nachdruck und Freude stets auch fürs schöne Buch eingesetzt hat, wollen wir an dieser Stelle aufs Jubiläum der Anderen Bibliothek hinweisen. Mit den »Metamorphosen oder Der goldne Esel« des Apuleius liegt, wieder in einer Originalausgabe, der 400. Band vor, ein Buch voll herrlicher Liebes, Gauner und Schelmengeschichten, illustriert natürlich und zur Feier des Tages mit goldenen Vorsatzblättern geschmückt. Und damit sich das alles ein bisschen herumspricht, gibt es auch ein neues (hier abgebildetes) Plakat, gestaltet von BANK / Graphic Design Today und gedruckt auf hochwertigem Fedrigoni Papier.
Wir wünschen angenehme Sommertage, vielleicht mit dem reisenden Montaigne, dem fantasiesprühenden Apuleius oder einem der anderen Bücher, die wir Ihnen auf den Seiten dieses 100. Hefts empfehlen.


Die nächste Lesart Ausgabe erscheint Mitte September.

Rangsdorf bei Berlin, im Juli 2018

 

Splitter aus Karsten Schröders Rubriken
»Das peinliche Buch« und »Fundstück«

 

 

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So verwundert es nicht, dass viele Lesart Leser in den letzten 25 Jahren das Jour- nal von hinten aufgezäumt, will heißen zuerst diese letzte Seite gelesen haben. Umdann, leicht beschwingt, das Heft mit seinen vielen und vielfältigen Rezensionen zu durchstreifen.

Einige Highlights dieser beiden Rubriken sollen hier und heute noch einmal kurz aufleuchten. Denn auch über ein »peinliches Buch« will nicht peinlich geschrieben und ein »Fundstück« muss auch erst von jenem sprachlichen Staub befreit werden, der sich in den Jahrzehnten seit seinem Erscheinen auf ihm abgelegt hat.

Diesen Spagat hat, zumeist ironisch, manchmal auch bissig, aber nie herablassend der Lesart Herausgeber Karsten Schröder geschafft! Ob er dabei den »vergessenen Seegeschichtenautor Heinrich Smidt« aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus seiner Bibliothek herausfischte (2/2008) oder mit Woldemar Kadens Reiseführer »Pegli« besuchte, den legendären Kurort bei

Genua (1885; 4/2013), oder zusammen mit Otto C. Artbauer an die marokkanische Küste fuhr, um dort »Die Rifpiraten und ihre Heimat« aufzusuchen (1911, 1/2010), meistens brachte er uns weit hinaus in die Welt. So lernten wir mit Joachim Rügheimer die »Sonne, Menschen und Revolutionen« (1929) Mexikos kennen (2/2010), mit Kurt Boeck unternahmen wir »Indische Glet- scherfahrten. Reise und Erlebnisse im Himalaya« (1900; 3/2010) und zusammen mit dem Reiseschriftsteller Rudolf Cronau einen Ausflug zu den Jagdgründen der Dakota Indianer (»Im wilden Westen«, 1890; 2/2012). Und so ging es »fundstücklesend« weiter zurück in der Zeit und über alle Kontinente hinweg, nach China, Island, Ägypten, Ecuador, auf die Galapagos Inseln so- wie nach Australien und Neuseeland.

 

 

( Die komplette Rezension in der aktuellen Sommerausgabe oder in der Leseprobe )

 

 

DANKE Karsten Schröder für die nahezu hundert kauzig komischen Texte auf dieser letzten Lesart Seite und ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG.


Thomas Plaul

Die »Lesart« feiert eher still und leise ihre 100. Ausgabe. Vor 50 Ausgaben schickten Buchhändler, Kritiker und Verleger viele Grußworte an dieses »intelligent gemachte Heft«, wie Christian von Zittwitz, damals wie heute Herausgeber der Zeitschrift »BuchMarkt«, an die »Lesart« und seinen Herausgeberkollegen Karsten Schröder schrieb. Elke Heidenreich lobte die »wunderbare Harmonie« zwischen »Kritik und Emphase«, eine Buchhandlung den Mut, »erfrischend andere Titel« vorzustellen. Lutz Schulenburg von der Edition Nautilus wiederum bezeichnete die »Lesart« als »ein solides Bücherschiff in den Weiten des Büchermeers« und Michael Krüger empfahl sie, weil man mit ihr vermeiden könne, »die falschen Bücher (zu) lesen«.

Diesen Stimmen könnten jetzt, zur 100. Ausgabe, gut und gerne (und mathematisch korrekt) doppelt so viele hinzugefügt werden. Doch gewürdigt soll heute auf dieser heiligen letzten Seite der Schöpfer und Macher dieses »Unabhängigen Journals für Literatur« selbst, der »Lesart«-Herausgeber Karsten Schröder! Denn der hat nicht nur die Zeitschrift ins Leben gerufen und »gemacht«, sondern neben dem »Editorial« auch den krönenden Abschluss einer jeden Ausgabe verfasst, zunächst, bis zum Heft 4/2006, die Rubrik »Das peinliche Buch«, und dann, bis heute, das »Fundstück«.