Liebe Leserin, lieber Leser!

Er hat den Hut tief ins Gesicht gezogen und hält ihn auch noch fest, damit er nicht wegfliegt. »Wanderer im Wind« heißt die Figur, die den Titel dieser Ausgabe schmückt, sie entstand 1934. Es waren Stürme, die der Künstler Ernst Barlach erlebte, und es ist nicht unbedingt erfreulich, wie heutig mitunter die damaligen Stürme wirken. Nicht verwunderlich also, dass dem großen Bildhauer, Zeichner und Autor aus Anlass seines 150. Geburtstages große Aufmerksamkeit zuteil wird und auch wir widmen uns Barlach ausführlich. Denn die Neuausgabe der Briefe des Künstlers ist eine editorische und literarische Meisterleistung. Meisterhaft sind auch die Texte des Dichters Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, und dem wir einen weiteren Schwerpunkt in dieser Ausgabe widmen. Wir betrachten die Publikationen bekannter Autoren, blicken aber zum Beispiel auch auf die Texte des Hölderlin-Übersetzers Luigi Reitani. Lyrik, schreibt er, ist ja ohnehin schon ein Übersetzen in die eigene, persönliche Sprache. Das Übersetzen ins wie im Falle Reitanis – Italienische ist da nur ein recht kleiner Schritt.

Dass ein kleiner Schritt aber auch eine unüberwindliche Hürde sein kann, davon berichten Antje Contius und Hana Stojic vom Netzwerk Traduki. Denn wenn wie etwa beim Albanischen nur wenige oder keine Übersetzer da sind, dann ist die Verbreitung von Literatur in andere Länder praktisch unmöglich. Doch genau darum bemühen sich die Netzwerker, und das schon seit Jahren: Sie wollen die Literatur Südosteuropas im deutschsprachigen Raum bekannter machen. Und das in großem Stil: In den kommende drei Jahren präsentieren sie sich als Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse.

Leseprobe

Zum Schluss noch etwas Besonderes: Ab dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen jeweils am Ende des Heftes zukünftig eine neue Rubrik: »Aufgestöbert«. Dort besprechen wir Bücher, die bei ihrem Erscheinen nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die wir ihnen gewünscht hätten; Bücher, die aktuell, gut, wichtig und lesenswert sind und die wir kein Jubiläum, kein äußerer Anlass, kein runder Geburtstag in Sicht - buchstäblich nicht auf dem Schirm haben. Bücher, denen die Taschenbuchausgabe versagt blieb. Wir fragen extra nach, ob der Verlag noch Exemplare hat, und rufen Ihnen zum Abschluss zu: »Greifen Sie zu diesem Buch, es lohnt sich!«

Unabhängig von allen Schwerpunkten geht es auch in dieser Ausgabe der Lesart vor allem um Rezensionen aktueller Bücher, um Empfehlungen und Tipps. Wir haben unser Layout überarbeitet und präsentieren nun ein hoffentlich luftiges, aufgeräumtes Heft.

Den Hut ziehen wir nicht ins Gesicht, denn frischer Wind ist uns willkommen.

Matthias Schümann


Die nächste »Lesart« erscheint im Juni 2020

 

 

Lesart | Wismarsche Straße 6/7 18057 Rostock | Tel.: 0381 49205 21 | Mail: lesart@anderebuchhandlung.de
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