»Wenn wir wollen, daß alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, daß sich alles verändert. Guiseppe Tomasi di Lampedusa, »Der Leopard«

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

2019 – das Jahr der Jahre. Es ist das »Humboldt-Jahr« - Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt, der deutsche »Wissenschaftsfürst«, wurde am 14. September vor 250 Jahren geboren. Es ist das »Fontane-Jahr« - Heinrich Theodor Fontane wurde am 30. Dezember vor 200 Jaren im brandenburgischen Neuruppin geboren. Es ist das »Bauhaus-Jahr« am 12. April vor 100 Jahren gründete Walter Gropius in Weimar das »Staatliche Bauhaus«. Es purzeln in diesem Jahr die Jahrestage: 100 Jahre Versailler Verträge, 100 Jahre Frauenwahlrecht, 100 Jahre Novemberrevolution und Ausrufung der Weimarer Republik, vor 90 Jahren Ausbruch der Weltwirtschaftskrise und vor 80 Jahren des II. Weltkrieges. Vor 70 Jahren wur- den die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik gegründet, Letztere öffnete vor 30 Jahren ihre Mauer und löste kurz danach sich selbst auf, vor 60 Jahren wälzte eine Revolution die Karibikinsel Kuba um. Jahrestage, die Anlass sind für unzählige Buchveröffentlichungen, Anlass, das Vergangene unter neuen Gesichtspunkten zu untersuchen und zu betrachten. Die Wahrheit dessen, was gewesen ist, wird eine andere mit jedem Tag, den wir leben und mehr erfahren. Betrachten wir in diesem Jahr so intensiv Fontanes Verhältnis zu Frauen und die Verhältnisse für die Frauen am Bauhaus, weil wir gleichzeitig 100 Jahre Frauenwahlrecht gedenken? Warum nicht? Aber welches Buch wird wem gerecht? Werden die Bücher Gunta Stölzl gerecht? Und was ist mit Ise Frank? Verurteilt das andere Stella Goldschlag oder wirft es einen neuen Blick auf sie? Bücher, Sachbücher wie literarische Bücher geben Antworten und werfen Fragen auf, rufen zu Widerspruch auf. Der Zweifel ist es, der uns vorantreibt, das Infragestellen dessen, was wir meinen, schon längst zu wissen.

So habe ich vor langen Jahren die »Lesart« kennengelernt, ein Literaturjournal, das mir immer wieder »andere« Bücher nicht nur in den Focus schiebt, sondern auch diese Bücher immer wieder einem anderen Blick unterzieht. Der Jahrestag – 25 Jahre »Lesart« – ist im vergangenen Jahr vergangen mit der 100. Ausgabe. Es ist Anlass geworden, über Veränderung nachzudenken, damit die »Lesart« bleiben kann. So stehe plötzlich ich vor Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, dass ich der »Neue« bin, der von dem bisherigen Gründer, Inspirator und Herausgeber Karsten Schröder übernehmen will, was er in 25 Jahren aufgebaut hat. Die Nr. 2/2019 der »Lesart« soll von mir, Manfred Keiper, langjähriger unabhängiger Buchhändler, herausgegeben, das Redaktionelle von Matthias Schümann, langjähriger Kulturjournalist, betreut werden. Das Büro wird umziehen von Rangsdorf nach Rostock an die Ostseeküste. 900 Meter entfernt von diesem Büro ist Walter Kempowski aufgewachsen, knapp 1000 Meter sind es bis zu Uwe Johnsons Rostocker Studentenbude, 200 Meter von hier entfernt wird intensiv an der »Rostocker Ausgabe«, der »historisch-kritischen Edition der Werke, Schriften und Briefe Uwe Johnsons in gedruckter und digitaler Form« gearbeitet.

Wir fühlen uns verpflichtet! Wir hoffen, dass uns die Leserinnen und Leser die Treue halten, ebenso die Autorinnen und Autoren, die Ihnen hier die Bücher vorstellen. Unendlicher Dank gilt Karsten Schröder und seiner Frau Vicenta für Ihr aufopferungsvolles Engagement, dem guten und schönen Buch ein Forum zu schaffen, für ihr Werk, das sie mit der »Lesart« geschaffen haben. Wir wollen es neu machen, damit es bleibt, wie es ist.


Manfred Keiper, Rostock im Mai 2019

Die nächste Lesart-Ausgabe erscheint im Juli 2019

 

 


 

 

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