» Die guten Bücher sind die Jahresringe im Leben eines Poeten.«

Theodor Fontane

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Er hat, skeptisch und illusionslos, dem Nachruhm gründlich misstraut. Allenfalls, meinte Theodor Fontane, würden wohl ein paar seiner Gedichte überleben. Mehr Zuversicht konnte er nicht aufbringen. Er habe Ursache, schrieb er im November 1889, »über den Verkauf von lumpigen 1000 Exemplaren erstaunt zu sein, denn 100 ist eigentlich auch schon zu viel. Und mehr als 100 werden auch wirklich aus dem Herzen heraus nicht gekauft, das andre ist Zufall, Reclame, Schwindel«. Er beklagte sich nicht. Er fand, dass er sich für den Zufall durchaus bedanken müsse, und er hatte nicht einmal Unrecht damit. Es gab immer Blätter, die ihn druckten. Nur: Seine Romane wurden nie richtige Erfolge. Wenn sie es zu einer zweiten Auflage brachten, hatte er schon Glück.
Seine Zeit kam erst später. Sie begann, als der Zweite Weltkrieg schon lange vorbei war, und sie hatte viele Väter: das Fontane Archiv in Potsdam, Verlage in Ost und West, Herausgeber, Wissenschaftler, Publizisten, Buchhändler, Leser. Der Erzähler und Dichter, den der junge Tucholsky schon leicht verstaubt fand, feierte nun seine Wiederkehr, ablesbar an unzähligen Einzeldrucken, mehreren vielbändigen Werkausgaben, zahlreichen Verfilmungen. Die starke Wirkung des Autors, erklärte Fontane-Spezialist Helmuth Nürnberger, sei inzwischen eine vertraute Erscheinung. Sie zeigt sich auf geradezu überwältigende Weise auch jetzt, kurz vor Beginn des Fontane Jahrs mit seinen erstaunlichen, auf einen Blick kaum erfassbaren Aktivitäten (alle Einzelheiten unter fontane.200.de).

Der 200. Geburtstag am 30. Dezember 2019 findet auch in den Verlagsprogrammen große Beachtung. Es gibt, vorgestellt auf diesen Seiten, gleich mehrere lesenswerte Biographien. Bei Aufbau liegt druckfrisch die vierbändige, üppig kommentierte Edition der Theaterkritiken vor, mit der die Große Brandenburger Ausgabe beeindruckend fortgesetzt wird. Für Leser, die es nicht ganz so umfassend haben wollen, hat der Verlag unter dem Titel »Da sitzt das Scheusal wieder« eine Auswahl der schönsten Berichte präsentiert, die der Mann vom Parkettplatz 23 in Berlins Königlichem Schauspielhaus für die »Vossische Zeitung« schrieb. Und Christine von Brühl hat sich in einem klugen, unterhaltsamen Buch der Frauen bei Fontane angenommen: der Frauen in seinem Leben, seinen Romanen und Erzählungen.

Wir wünschen angenehme Feiertage, bereichert vielleicht mit einem der Bücher, auf die wir diesmal aufmerksam machen. Es kann von Pamuk, Canetti oder Stefan Zweig sein, Fontane nicht zu vergessen.

 

Die nächste Lesart-Ausgabe erscheint Mitte März 2019.


Rangsdorf bei Berlin, Dezember 2018

 

Im neuen Fenster öffnen

 

 

Lesart , Anemonenstraße 7, 15834 Rangsdorf- Fon:033708-70970, Fax: 033708-70971, eMail: lesart@t-online.de | Webdesign Norbert Hirmer
HOME | AKTUELLE AUSGABE | LESETIPP DER REDAKTION | ARCHIV | KONTAKT / ABO / HEFTNACHBESTELLUNG / BUCHHÄNDLERABO | IMPRESSUM